Stollenanschnitt in Erfurt

Stollenkönigin Anna Endter und Königin der Texte Charlene Wolff
 
Der Erfurter Dom
 
Eine Führung durch den Erfurter Dom
Erfurt: Domplatz |

Würden Sie "Schittchen" essen?


Nein, das ist kein Tippfehler, Schnittchen OHNE "n" ist schon richtig. Ich habe gerade gelernt, dass Erfurter Schittchen eine andere Bezeichnung ist für Stollen. In Dresden kennt man auch noch den Namen "Striezel". Natürlich werden die Fachleute den Stollen aus Sachsen und den aus Thüringen als zwei ganz verschiedene Spezialitäten bezeichnen.

Zu DDR-Zeiten haben wir gelegentlich einen Stollen aus Dresden geschickt bekommen. Er war nicht mit Traubenzucker gepudert sondern hauptsächlich mit Kristallzucker und wenig Puderzucker. Ich fand das leckerer als heutzutage. Nun ist es sicher auch ein Unterschied, ob man einen Stollen aus industrieller Fertigung vom Discounter oder einen vom traditionellen Handwerk gebackenen probiert. Dies herauszufinden bin ich nach Thüringen gefahren.

Anna Endter – Stollenkönigin


Auf meinen Reisen habe ich auch die Thüringer Stollenkönigin kennengelernt. Daraus hat sich dann eine Einladung zum diesjährigen Stollenanschnitt nach Erfurt ergeben, über die ich mich sehr gefreut habe. Stollen da zu probieren, wo er original seit 1382 hergestellt wird, war für mich ein tolles Erlebnis, und mir tut keiner der 850 km leid, die ich dafür gefahren bin.

Erfurt


Erfurt ist ohnehin eine interessante Stadt. Es ist Landeshauptstadt von Thüringen und hat Attraktionen wie den Dom und die Krämerbrücke, viele hübsche alte Gebäude und im Dezember einen schönen Weihnachtsmarkt, auf dem zum Stollenfest am 1. Advent viel los ist.

Dom


Unser Tag begann mit einer Führung durch den prunkvollen Erfurter Dom.
Am Adventskranz brannte die erste Kerze es war schließlich das 1. Adventswochenende.

Der Dom ist eine große Kirche, die im gotischen Stil erbaut ist. Später sind Barockeinflüsse hinzugekommen.

Einladung der Stollenkönigin


Die Stollenkönigin hatte eingeladen, und so gab es ein gelungenes Hoheitentreffen. Sogar einen Shuttleservice hatte Anna organisiert. Dann ging es gemeinsam über den Weihnachtsmarkt. Von allen Seiten wurden wir bewundert, und nicht selten hörte ich Leute fragend sagen "Königin der Texte". Eine Autogrammkarte mit Erklärung wurde gerne angenommen. Die Stände auf dem Markt boten viel Stollen, weihnachtliches Gebäck, wie auch Kunsthandwerk feil. Das Erzgebirge ist nicht sehr weit weg, und so gab es eine etwa 5 m hohe Weihnachtspyramide, Räuchermännchen und andere Holzkunstwerke.
Der Stollen war für mich Leckermäulchen natürlich eine Attraktion. Das war auch der Stollenverkäuferin sehr schnell klar.

Ich habe den Fehler gemacht, den Stollen nicht gleich zu kaufen, weil ich dachte, es wäre unpraktisch ihn die ganze Zeit mit mir herumzutragen und ich würde später noch genug Zeit dazu haben (Leider verkehrt gedacht!).

Wir schlenderten auch durch das Märchendorf, das dort originell aufgebaut war.
Szenen aus verschiedenen Märchen waren ausgestellt, und in der Scheibe spiegelten wir uns. 

Auf dem Weihnachtsmarkt stießen wir Hoheiten mit Glühwein an.
Es war zwar kalt, aber wir waren richtig angezogen, und der Glühwein wärmte uns zusätzlich.

Festessen


Die Stollenkönigin hatte für uns auch ein Restaurant mit hervorragendem Essen gebucht. Wir wurden königlich verwöhnt.


Die Harzer Kräuterkönigin Steffi wollte ihrem Namen alle Ehre machen und mit Salat fotografiert werden.

Gut gesättigt ging es dann zurück auf den Domplatz, wo zwei historische Traktoren mit Anhängern auf uns warteten.
Wer zuerst da war, hatte Glück und konnte mit dem Stollenwagen fahren.


Dort wartete ein zwei Meter fünfzig langer Riesenstollen auf den feierlichen Anschnitt. Zuvor rollten die beiden Wagen durch Erfurts Strassen.
Eifrig wurden jede Menge Kilostollen geschnitten und an das Volk verteilt. Der Riesenstollen wartete bis zum Schluss.

Natürlich durften wir probieren, und waren begeistert. Pech, dass wir gerade so gut zu Mittag gegessen hatten. Sonst hätten wir die Chance noch wesentlich ausgiebiger nutzen können.

Meiner Hofdame schmeckt es. Den Erfurtern auch, von mir ganz zu schweigen.

Es war gut was los in Erfurt, ganz besonders vor unserem Wagen, wo feierlich der Riesenstollen angeschnitten wurde.

Natürlich war der Stollenanschnitt die Aufgabe der Stollenkönigin. Die ist vom Fach und kennt sich super mit ihrem Handwerk aus.

Wenn ich wieder in die Gegend komme, muss ich unbedingt ihren Betrieb besichtigen.

Verschiedene Arten Stollen


Sie hat mir erklärt, dass sie hauptsächlich drei Arten Stollen backen. Der traditionelle Stollen mit Rosinen, Orangeat und Zitronat aus Butter und Mischfett ist wohl das Gängigste, der Bergwerksstollen ist etwas ganz besonderes. Der wird nämlich für 30 Tage in einem alten Bergwerksstollen gelagert und enthält besondere Gewürze. Alle Zutaten kommen nach Möglichkeit aus der Region. Bei den Rosinen, Orangeat und Zitronat wird sehr viel Wert auf die Qualität gelegt. Daher kommen die Sultaninen aus Australien, wo sie besser gedeihen als in der Türkei.

Exzellente Zutaten kosten natürlich ihren Preis. Dass Thüringer Stollen teurer ist als der aus dem Supermarkt, versteht sich von selbst, aber ich finde, der Unterschied im Preis ist gar nicht so groß, der Geschmack aber schon.

Es ist ähnlich wie beim Wein: wer viel Wert auf Qualität legt, etwas Besonderes möchte und sensible Geschmacksnerven hat, greift zu exklusiven Sorten. Vielen gefällt aber auch die Qualität von Massenware. Letztlich muss jeder selber entscheiden, was er bevorzugt.

Auf dem Wagen hatte ich einen hervorragenden Aussichtspunkt, und ich war voll in meinem Element.

Nach einem weiteren Glühwein mit dem Bürgermeister bekamen alle Königinnen einen echten handgefertigten Thüringer Stollen von der Stollenkönigin geschenkt. Dazu noch Andenken. Ich werde den Tag nicht vergessen und bin jetzt noch mehr Stollenfan als vorher ohnehin schon.

Bogenschießen


Als optionalen Programmpunkt hatte die Stollenkönigin für uns ein weiteres Highlight. In der großen Sporthalle durften wir uns im Bogenschießen üben und die Siegerehrung der Bogenschützen vornehmen.

Ich finde, wenn ich schon weit reise, um an Hoheitentreffen teilzunehmen, sollte ich es auch bis zum Schluss auskosten und nehme auch gerne die optionalen Angebote wahr. Außerdem finde ich es nett, wenn ich die Königin, die mich so nett eingeladen hat, auch bei solch einer Aufgabe unterstütze. Zudem macht es mir Freude.

Bogenschießen habe ich vorher noch nie gemacht, und so war es gut, dass uns Trainer einwiesen.
Witzig fand ich, dass ich immer tiefer und weiter seitlich zielen musste, als ich dachte. Ich habe die Scheibe nicht verfehlt und auch manchmal in die goldene Mitte getroffen. Es kostet mehr Kraft, als ich erwartet hatte, aber es macht Spaß. (Nun sind 5 Meter Entfernung auch ziemlich nah dran, aber man muss wirklich klein anfangen, anders geht es nicht.)

Dann kam die Siegerehrung. Ich war für den 3. Platz zuständig und überreichte neben einem kleinen Stollen eine Autogrammkarte von mir. Die Sieger freuten sich, und diese Siegerehrung war auch nicht nass, wie die in Kölleda.

Was bleibt ist das Erlebnis eines tollen Wochenendes in Thüringen und die Erinnerung an den Stollenanschnitt. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr und hoffe, dass ich wieder eingeladen werde.

Die Stollenkönigin Anna ist übrigens auch Expertin für Baumkuchen. Den muss ich auch noch kennenlernen… und Lebkuchen und… ach! Es gibt noch so viel zu entdecken!
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