„The Effect“ im Ernst-Deutsch-Theater

Ihre Hoheit, die Königin der Texte vor dem Ernst-Deutsch-Theater an der Mundsburg
Hamburg: Ernst-Deutsch-Theater |

The Effect

The Effect ist nicht etwa ein Theaterstück in englischer Sprache. Dass es in England spielt, ist auch unerheblich; es könnte überall sein. In diesem Stück, das derzeit im Ernst-Deutsch-Theater gespielt wird, geht es um Depressionen und die Forschung nach Medikamenten, die dagegen helfen. Ein ernstes Thema, das aber durchaus verschiedenste Facetten hat.

Protagonisten

Die beiden Hauptfiguren sind eine Studentin und ein junger Mann, die sich bereitgefunden haben, die Psychopharmaka im Labor an sich testen zu lassen. Sehr bald gerät der Text außer Kontrolle. Die beiden Probanden verlieben sich in einander, und dann stellt sich die Frage nach Ursache und Wirkung. Haben sie sich verliebt, weil das Medikament dies bewirkt hat, oder haben sie sich verliebt, und die Wirkung des Medikaments hat gar keinen Effekt?

Streit

Unter den Ärzten kommt es zu einem heftigen Streit darüber, bei dem deutlich wird, dass die leitende Ärztin selber an Depressionen leidet und ein Verhältnis mit dem Institutsleiter gehabt hat. Eine Parallele zu dem Verhältnis der beiden Probanden. Die Sache wird immer komplizierter. Angebliche Placebos sind am Ende keine, Vertrauen entpuppt sich als Misstrauen, Liebe als unheilbar. Es wird die Frage aufgeworfen, ob nicht Depressionen der Normalzustand sind und Medikamente dagegen sinnlos. Was ist überhaupt normal? Was ist gesund und was ist krank?

Zusammenbruch

Die leitende Ärztin bricht unter dem Druck zusammen, die männliche Testperson verliert ihr Gedächtnis und der Institutsleiter schwingt weiter große Reden und geht am wenigsten beschädigt aus der Sache raus.

Bohrende Fragen

The Effect konfrontiert intensiv mit der Frage, wie viel sind meine eigenen Gefühle, und wie viel macht die Chemie mit uns. Lassen uns die Pillen Gefühle empfinden, die gar nicht echt sind, sich aber echt anfühlen?

Fazit

Ich finde, „The Effect“ ist ein interessantes Psychodrama. In einer Zeit, wo Depressionen als Volkskrankheit gelten, dürfte es viele Zuschauer ansprechen und bewegen.

Das schlichte und doch interessante Bühnenbild darf man ja leider nicht fotografieren. Die 4 Personen, die das Stück spielen, kamen sehr authentisch rüber und bekamen vom Publikum eine Menge Applaus.

Ein bisschen schade, dass das Durchschnittsalter der Zuschauer so hoch ist. Viele Rentner und wenige jüngere Leute. Ich denke, es geht um Themen, die eigentlich eher jüngere Leute bis zum Rentenalter betreffen.

Also „jüngere Leute“: geht hin. Es lohnt sich. Eure Bergedorfer Königin war auch da.
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