Unter Geiern

Charlene in Bad Segeberg
 
Die Freilichtbühne am Kalkberg
Bad Segeberg: Am Kalkberg |

Karl May Festspiele, Bad Segeberg

Alljährlich führt die Freilichtbühne am Kalkberg ihre sommerlichen Karl May Festspiele auf. Es geht eigentlich immer um Indianer, obwohl Karl May durchaus auch Romane geschrieben hat, die im fernen und mittleren Osten spielen.
Dieses Jahr wird "Unter Geiern" aufgeführt. Ich erinnere mich, wie es in meiner Jugend war. Indianer waren aufregend, das Theater eine reine Laienbühne und die Stücke endlos lang. Heute ist man professionell, fast schon zu reißerisch die Ansagen, ja geradezu amerikanisch. Die Stücke sind gespickt mit beeindruckenden Spezialeffekten und auf eine Länge reduziert, wie man sie vom Theater her kennt. Das schöne an Old Shatterhand fand ich immer, dass er sich ohne Waffen zu wehren wusste.

Längst lassen sich die Geschichten um Winnetou und Old Shatterhand in Fernsehen und Kino viel realistischer darstellen. Aber die Freilichtaufführung hat durchaus ihren Reiz. Indianer galoppieren durchs Publikum und schießen, dass es nur so knallt. Schaut man genau hin, sieht man schon, dass die Schlägereien nicht echt sind. Aber Winnetou sollte man mit verklärtem Blick ansehen, sonst kann man sich überhaupt nicht in den Wilden Westen hineindenken.

Die Bänke haben inzwischen Rückenlehnen. Sie sind noch genauso hart wie seit eh und je. Man bringt sich am besten ein Kissen mit.
Auch kann es während der Vorstellung regnen. Das ist in unseren Breiten so. Dafür ist es eben ein Freilichttheater.

Voll ist es auch wie eh und je.

Unter Geiern

In den Karl May Romanen geht es genau wie heute in den meisten Filmen um Mord und Totschlag. Hinzu kommt eine gehörige Portion Rassismus, die aber durch die beiden Helden zu einem friedlichen Nebeneinander geführt wird.

Etwas aber haben die Geschichten unserer Zeit voraus: es geht um Ehre und Moral. Sicher, in den Geschichten hält sich nicht jeder daran. Aber wer es nicht tut, wird am Ende verlieren. So gesehen kann man mit einem Happy End für Moral und Ehre rechnen.

Bei den Special Effects brennt auch schon mal ein Haus ab oder ein Fiesling wird von Old Shatterhand in hohem Bogen mit der Faust 5 m durch die Luft geschleudert.

Menschenmassen

Die Freilichtbühne ist gut besucht. Wenn die Zuschauer alle auf ihren Plätzen sitzen, dann ist alles gut, aber wenn sie in der Pause die Stände stürmen, dann ist es schlimmer als in der Rushhour in China.

Als wir endlich die Pommes für meine Tochter kriegen, ertönt auch schon das Signal, das das Ende der Pause ankündigt.
Ich habe keinen Appetit darauf. Warum gibt es bei solchen Veranstaltungen nicht mal Salat oder so etwas?

Parken in der Walachei

Besonders nervig fand ich, dass der Parkplatz P4, auf den man uns geleitet hat, elend weit weg ist, ja außerhalb der Stadtgrenze. Für Behinderte ohne Behindertenparkausweis eine Katastrophe. Wie ein Lindwurm quält sich eine nicht enden wollende Menschenmenge vom Parkplatz zum Freilichttheater und umgekehrt.

Und war es nun schön?

Ich bin da gespaltener Meinung. Das Theaterstück war schön. Karl May hat die Indianer von Wilden zu Menschen gemacht, die einem ans Herz wachsen können. Es ist bekannt, dass er hervorragende Landschaftsbeschreibungen abgeliefert hat, wie ich in Amerika selber sehen konnte. Aber ich frage mich gerade, ob seine Beschreibung der Indianerstämme und die Darstellung auf der Bühne etwas mit der Realität zu tun hat.

Die Menschenmassen waren mir heute zu viel und die lange Wanderung vom und zum Parkplatz haben mich genervt.

Für Kinder, die Indianergeschichten gelesen haben, ist ein Besuch am Kalkberg sicher ein Erlebnis, das sie lange nicht vergessen werden. Meine Tochter lebt aber in einer Zeit, in der andere Helden modern sind als ausgerechnet Indianer und der Wilde Westen. Ist unsere Zeit dabei, Karl May zu überleben?

Auf jeden Fall gehört es zur Deutschen Kultur, dass sich die Menschen so herrlich über den sächsischen Dialekt freuen können, wie bei diesem Stück von dem durchgeknallten Professor Hieronymus Schmalfuß. Vielleicht war es mir auch ein wenig übertrieben, dass er mit Vokabeln aus dem Film "Zurück in die Zukunft" anfing. Ich fand es ein wenig zu viel.
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