25 Jahre nach dem Mauerfall

Berlin: Oberbaumbrücke | Durch einen Zufall hat es mich an genau dem Wochenende nach Berlin verschlagen, als dort dem Mauerfall vor 25 Jahren gedacht wurde.

Überrascht stellte ichfest, dass es nicht nur den Nationalfeiertag am 03. Oktober gibt, sondern in Berlin noch eine weitere große Gedenkfeier. Quer durch die Stadt auf der ehemaligen Grenze zwischen West- und Ostberlin war eine Mauer aus weißen Luftballons aufgebaut, die später leuchtend in den Himmel aufsteigen sollte. Das muss ein schönes Bild gewesen sein, aber leider konnte ich nicht lange genug bleiben, um mir das anzusehen. So besichtigte ich die Installation bei Tageslicht.

Von der Oberbaumbrücke schlenderte ich durch mehr oder weniger dichtes Menschengedränge entlang der Eastside Gallery, wo der längste Abschnitt der alten Mauer steht, der noch erhalten geblieben ist. Etwas überraschend war das Transparent, das fordert, "Die Mauer muss bleiben!" Nicht etwa ein Überbleibsel von vor 25 Jahren, sondern eine durchaus ernstgemeinte Parole, die von einer Demonstration bestärkt werden sollte. Das Volk tritt nämlich den Bestrebungen entgegen, aus kapitalistischen Motiven heraus noch weitere Teile des Mahnmals Mauer abzureißen und dort Gebäude zu errichten.

Natürlich gibt es Menschen, die sich wünschen, die Mauer würde wiederaufgebaut, genau wie es andere gibt, die am liebsten alles niederreißen würden.

So manch eine Entscheidung, die das Gesicht von Berlin verändert hat, ist für die dort lebenden Menschen nicht verständlich. Die Politik hat sich offenbar von ihrer Basis entfernt.

Seien wir froh, dass die Menschen heute beliebig zwischen Ost und West hin und herpendeln können. Daran, dass das früher nicht möglich war, stehen die restlichen Mauerstücke, die über und über mit Graffiti besprüht sind. Heute ist das eine Selbstverständlichkeit, aber das war es 40 Jahre lang nicht.

1987, vor 28 Jahren sah das noch ganz anders aus.

Letzte Nacht sollen Hooligans etliche der Ballons zerstört haben. Auf der Ostseite der Mauer hätten sie es sich vor 25 Jahren gründlich überlegt, ob sie es tun.
Die "Mauer der Freiheit", die sich später leuchtend in den Abendhimmel erheben soll, erscheint mir als eine würdige Erinnerung an die Freiheit, in der wir leben. Freiheit bedeutet nicht, dass wir alles tun und lassen können, wie es uns gerade einfällt. Freiheit bedeutet, wir können sagen, was wir denken, deshalb nicht eingesperrt oder verfolgt werden. Freiheit bedeutet auf Verantwortung. So lange wir die Rechte anderer achten, können wir uns so entfalten, dass wir niemandem dadurch schaden. Wir tragen auch die Verantwortung, unsere Freiheit zu erhalten, zu schützen und ggf. zu verteidigen. Dafür gibt es u. a. das Streikrecht, das wir nutzen aber auch nicht missbrauchen sollten.
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Erich Heeder aus Kirchsteinbeck | 21.12.2014 | 15:01  
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