MG - eine seltene aber tückische Krankheit

Hamburg: Asklepios-Klinik Barmbek | Manche Krankheiten sind sehr bekannt, jeder hat schon mal davon gehört, und andere wieder sind doch eher unbekannt. So leiden 100-200 je Million Menschen unter der Myasthenia Gravis oder "Onassis-Krankheit", eine seltene Krankheit. Das wird häufig als eine Muskelschwäche erklärt, wobei eigentlich nicht die Muskeln schwach sind, sondern die Übertragung der Nervenimpulse zwischen Nerv und Muskel gestört ist. Meist zeigt sich die Krankheit zuerst an hängenden Augenlidern, eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit, Atem- und/oder Sprechmuskelproblemen.

Vollständig erforscht sind weder Auslöser noch Ursachen. Auch gibt es zwei Formen. Am meisten verbreitet ist Myasthenia Gravis als Autoimmunerkrankung, bei der der Körper die erforderlichen Botenstoffe, die der Körper produziert als Fremdkörper bekämpft. Dagegen hilft oft eine Immunsuppression durch Entfernung der Thymusdrüse und Gabe von starken Medikamenten. Diese Krankheit kann jeden ereilen. Ein Auslöser könnte Stress sein, der die Entstehung offenbar begünstigt. Vererbbar ist sie allem Anschein nach nicht.

Bei der congenitalen Form handelt es sich dagegen um eine Gen-Anomalie, bei der bestimmte Gene nicht funktionieren.

Heilbar ist Myasthenia Gravis (die meist als MG abgekürzt wird) derzeit nicht, wohl aber behandelbar. Neben der Einstellung mit Medikamenten hilft in vielen Fällen die Entfernung der Thymusdrüse, die sich im Brustkorb hinter dem Brustbein befindet. Menschen mit MG sind auch bei guter Einstellung mit Medikamenten körperlich weniger belastbar, können aber oft trotzdem ein "normales" Leben mit der Krankheit führen. Wie bei den meisten Krankheiten üblich, gibt es auch hier eine Gruppe von Betroffenen, bei denen die bekannten Methoden nicht oder nicht ausreichend helfen oder nicht vertragen werden.

Die Forschung geht zum Glück weiter, und es gibt die Selbsthilfeorganisation "Deutsche Myasthenie Gesellschaft e. V.", die gerade im AK-Barmbek über die aktuellen Entwicklungen auf diesem Gebiet informiert hat. Die Asklepios-Klinik Barmbek ist eines der wenigen zertifizierten Myasthenie-Kompetenzzentren, die es in Deutschland gibt. Selbsthilfegruppe hört sich etwas hobbymäßig an, dabei geht es bei den Vorträgen auf einer solchen Informationsveranstaltung schon sehr weit ins Medizinische. Da wird von Acetylcholinesterasehemmern, von MUSK- und LPR4-Antikörpern gesprochen, bis ins Detail anhand von Fotos die Thymusestraktionsoperation erklärt oder über die Unterscheidung von myasthener Krise und cholinerger Krise aufgeklärt, die sich in den Symptomen u. U. nicht deutlich unterscheiden, aber das Gegenteil von einander sind.

MG als Autoimmunerkrankung ist oft mit Schüben verbunden, bei denen dann ein Aufenthalt auf der Intensivstation angebracht ist, also eine durchaus tückische und gefährliche Krankheit. Dies wurde und wird häufig unterschätzt, da Symptome wie Schwächeanfälle oder Augenlider, die zufallen oft gar nicht als Krankheit erkannt werden. Betroffene kämpfen auch heute noch oft lange, bis ihre Symptome als echte Krankheit erkannt werden und nur dann behandelt werden können.

Eine Tücke der MG ist, dass die Betroffenen die meisten der üblichen Medikamente, insbesondere Antibiotika nicht nehmen dürfen, weil sich dadurch die Schwere ihrer Grunderkrankung verstärkt oder die Wirkung der eingesetzten Medikamente aufhebt. Eine Grippe kann so bereits zu einer Katastrophe werden, selbst eine Augenuntersuchung, bei der die Pupille weitgestellt wird, ist bei MG-Patienten so nicht durchführbar und kann langfristige Beschwerden auslösen, was selbst bei Augenärzten viel zu wenig bekannt ist.

Interessant ist auch, dass MG auch bei Haustieren vorkommt. Bekannt ist das von Haushunden, aber auch Katzen und anderen Nutztieren. Die Wirkungsweise und Behandlungsmöglichkeiten sind die gleichen wie beim Menschen.

Um diese seltene Krankheit endgültig in den Griff zu kriegen, ist noch viel Forschung nötig. Eine der Schwierigkeiten besteht darin, dass der Krankheitsverlauf bei jedem unterschiedlich ist.
Bei der congenitalen (also der angeborenen Form) hat man schon ein paar Stellen im Erbgut entdeckt, die als Beweis und Ursache gelten. Vielleicht kann die Gentechnik Betroffenen eines Tages helfen, indem sie diese Gen-Anomalien behebt. Für alle anderen Betroffenen sind sicher andere Methoden erforderlich, an denen ebenfalls noch geforscht werden muss.

Wer mehr wissen möchte, ist gut beraten, sich bei der DMG zu informieren.
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