"Aus der Jugendzeit" -- Anmerkungen und Erinnerungen zum BZ - Artikel über das Reinbeker Cafe Nagel v. 21.1.2012

Ich kenne das Cafe Nagel seit 1946.
Die vier quadratischen Fenster auf dem auf dem Zeitungsbild erinnern mich an die Lesehalle. Hier konnte man kostenlos Zeitungen und Illustrierte anschauen. Eifrig genutzt wurde dieser Raum von uns Fahrschülern, Die Lesehalle war geheizt, und wir hatten eine „warme Bude“ bis der nächste Zug kam.
Wer nämlich in Wohltorf, Aumühle, Friedrichsruh, Schwarzenbek, Müssen oder gar Büchen wohnte, musste in Reinbek zur Schule gehen, wenn eine weiterführende Schule besucht werden sollte. Nur hier gab es ein Gymnasium oder eine Mittelschule (heute Realschule).
Die Eisenbahnzüge wurden damals noch von einer Dampflok gezogen. Eine elektrische S-Bahn fuhr noch nicht einmal von Hamburg nach Bergedorf – und von einer Fahrtaktfrequenz von 20 oder gar 10 Minuten haben wir noch nicht einmal geträumt.
So war die Lesehalle der ideale Aufenthaltsplatz, gerade an kalten Tagen oder bei regnerischem Schmuddelwetter.
Geleitet wurde die Lesehalle von Herrn Lüdemann, einem Kriegsversehrten. Im Krieg hatte er ein Bein verloren. Für uns Buben und Mädchen war Herr Lüdemann ein wertvoller Gesprächspartner, dem wir schon mal unsere kleinen Sorgen anvertrauten.

Spätere Kontakte mit dem Cafe Nagel fanden eine Etage höher statt.
Cafe Nagel – was habe ich da geschwoft.
Damals gab es noch Lifemusik. Der langsame Walzer „Charmaine“ wurde immer und immer wieder verlangt, konnte man doch dann sehr eng tanzen.
--- Und die Mädchen sahen hinreißend aus mit ihren hochhackigen Pumps, den weiten Röcken, darunter Petticoats und dann erst die Everglace-Blusen.
Essen gehen bei Nagel oder Kaffeetrinken war nicht drin, dazu war ich als Flüchtling in der Nachkriegszeit viel zu arm. Aber Tanzen bei Nagel – das waren Erlebnisse. Vereinsfeste, Maskenbälle, Kostümfeste.
Rauschende Nächte von abends 20 Uhr bis morgens um vier.
Samstagabend mit dem Fahrrad von Friedrichsruh nach Reinbek. In den Packtaschen des Fahrrades ein bügelfreies Oberhemd, eine Krawatte. Umziehen auf der Toilette und rein ins Vergnügen.
Manchmal morgens um vier dann noch weiter mit dem Fahrrad nach Hamburg auf den Fischmarkt. Später am Vormittag vielleicht noch zum Hammer Park. Mit einer Gruppe beim Sportfest schnell noch einen Langstreckenlauf absolviert.
Am Sonntagnachmittag waren wir dann wieder zu Hause
--- und wunderten uns, wie kaputt wir waren.

Diese Gedanken schwirrten mir soeben durch meinen Kopf.
Ach ja:
„Aus der Jugendzeit“.
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