DDR-Opfer-Hilfe diskutiert über SED-Diktatur

Zu der Veranstaltung des DDR-Opfer-Hilfe e.V. waren zahlreiche Interessierte nach St. Georg gekommen. Auch viele junge Menschen wollten erfahren, was damals in der SED-Diktatur geschehen ist und welche Folgen das für ehemals politisch Verfolgte noch heute hat. (Foto: DDR-Opfer-Hilfe e.V.)
Viele DDR-Opfer leiden noch immer unter den Folgen der Haft. Oft haben sie es schwer, ihre Rehabilitierung durchzusetzen. Das ist das Fazit eines Podiums in Hamburg zum Thema "Die Folgen der SED-Diktatur", zu dem der DDR-Opfer-Hilfe e.V. eingeladen hatte. Zu der Veranstaltung waren mehr als 80 Menschen gekommen. Darunter befanden sich ehemalige DDR-Opfer, die vor der Wende von der Bundesregierung freigekauft wurden und jetzt in Hamburg leben. Einer von ihnen ist Erich Müller. Er schilderte, wie er für sieben Monate in Stasi-Haft kam und später vom westdeutschen Rechtsstaat strafrechtlich rehabilitiert wurde. Doch auf seine berufliche Rehabilitierung wartet Müller noch heute. Das sei im Beratungsalltag kein Einzelfall, so der Vorsitzende des DDR-Opfer-Hilfe e.V., Ronald Lässig. Im Gegensatz zur strafrechtlichen Verfolgung, wo es ein schriftliches Urteil gab, hätten die ehemaligen politischen Opfer ihre berufliche Benachteiligung in der DDR in den seltensten Fällen bescheinigt bekommen. Für die Opfer sei es deshalb wichtig, dass der Gesetzgeber eine Beweislastumkehr im Rehabilitierungsgesetz verankert. Das fordere die DDR-Opfer-Hilfe schon seit längerem und sei darüber mit der Politik im Gespräch. Es müsse nunmehr schnell gehandelt werden, immerhin seien viele der Betroffenen inzwischen in fortgeschrittenem Alter, mahnte der Verband.

DDR-Opfer sind traumatisiert

Wie die Universität Zürich herausfand, ist jeder dritte ehemals politisch DDR-Gefangene noch heute traumatisiert. Panikanfälle erfassten die Befragten noch ebenso häufig wie in den 1990er Jahren, Depressionen nähmen stark zu. Überraschend sei, dass sich die Traumafolgen bei einigen Befragten erst in den vergangenen Jahren gezeigt hätten, so Traumaexperte Andreas Maercker. Die Psychologen hatten in den 1990er Jahren 146 ehemalige politische Häftlinge untersucht, 15 Jahre später befragten sie 93 von ihnen erneut. Im Schnitt habe jeder Betroffene drei Jahre und zwei Monate in Haft gesessen. Nicht die Länge mache das Trauma, so Maercker. Ausschlaggebend sei die Belastung: 21 Prozent der Studienteilnehmer hätten unter Todesangst gelitten, 77 Prozent seien psychischer Gewalt durch Schläge oder Essensentzug ausgesetzt gewesen.

DDR-Opfer-Hilfe e.V. berät kostenlos

Auch zwanzig Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung hätten viele ehemals Verfolgte der SED-Diktatur den Wunsch nach Beratung und Betreuung. Dabei gehe es um Anträge auf Einsichtnahme in Stasi-Akten, die Unterstützung bei Behördengängen bis hin zur Hilfe für Rehabilitierungs- und Entschädigungsänträge. Oft seien die Menschen alt und hätten schon allein deshalb Probleme, eine Adresse oder Telefonnummer aus dem Internet zu bekommen, erklärt der Opferverband. Andere Menschen wiederum bräuchten Hilfe beim Ausfüllen der oftmals bürokratischen Antragsformulare oder auch nur ein Ohr zum Zuhören. Viele Betroffene hätten aufgrund ihrer früheren Verfolgung noch heute massive Berührungsängste mit Behörden. Für Fälle wie diese stehe der DDR-Opfer-Hilfe e.V. kostenlos mit Rat und Tat bereit und wirke als Vermittler, so der Verband. Betroffene können sich an die Beratungsstelle des Vereins in der Storkower Straße 158 in Berlin wenden oder auf der Homepage www.ddr-opfer-hilfe.de weitere Informationen bekommen, sagte Erich Müller und empfahl seinen Leidensgefährten diesen Kontakt. Dieser Verband gebe den Betroffenen auf professionelle Weise Hilfe zur Selbsthilfe.
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