Es muss nicht immer Apfel sein - die Rhabarberschorle aus Lütau hat es zum Kultgetränk gebracht

Der Herr der Äpfel: Bernd Velke vor der Lütauer Mosterei. Sie wurde 1911 von seinem Großvater als Molkerei gebaut. In den 50ern begann sein Vater, hier Fruchtsaft zu keltern. Nun produziert Velke zusammen mit seinem Geschäftspartner Axel Otolski Säfte, meist aus regionalem Obst – mit großem Erfolg. Denn der Absatz steigt stetig.Fotos: Klotz
 
Hier packt der Chef mit an: Bernd Velke transportiert Getränkekisten.
bei Lauenburg: Lütau | Ein Bild wie aus einer anderen Zeit: Herbstprinz, Holsteiner Cox, Roter Boskop, Elstar – vor dem alten Backsteinbau warten Tausende von Äpfeln darauf, gepresst zu werden.

Drinnen riecht es nach Apfeltrester und Most. Und es rattert, klappert und zischt in der Süßmosterei mitten im Lütauer Wohngebiet. 6000 Flaschen pro Stunde laufen durch die Anlage auf ihrem Weg von der Reinigung bis zur Abfüllung. Zum Schluss werden die schlanken, heißen Flaschen Apfelsaftflaschen zurückgekühlt, etikettiert, in eine Kiste gestellt und palettiert. Fertig zur Auslieferung. Nicht nur in der Umgebung - auch für durstige Großstädter in Hamburg, Bremen oder Kiel.


Die Rhabarberschorle ist zum Szene-Getränk avanciert

Es ist zwar nur eine ganz kleine Mosterei in einem kleinen Dorf zwischen Geesthacht und Lauenburg. Doch der Apfelsaft, den vier feste Mitarbeiter zusammen mit vier Teilzeitkräften und einem Lehrling hier keltern, wird von Kennern weit über die Region hinaus geschätzt.

Streben nach Qualität und gutem Geschmack

„Wir haben nie Werbung gemacht, aber unser Absatz steigt stetig“, sagt Bernd Velke. Bei der Apfel- und Rhabarberschorle sogar um 30 Prozent. 1000 Tonnen Äpfel keltern Velke und sein Team in diesem Herbst. Die Ausbeute: rund 700000 Liter Apfelsaft. Und die Rhabarberschorle aus Lütau hat bei den verwöhnten Großstädtern längst Kultstatus erreicht. Woran das liegt? Mit Sicherheit nicht an irgendeiner Marketingstrategie. „Das einzige, was wir dazu beigetragen haben, ist die sorgfältige Herstellung - unser Streben nach Qualität und gutem Geschmack“, sagt Velke. Eine Luxusmarke will er nicht sein. Doch in den Großstädten, wo regionale, gut gemachte Produkte zum Lifestyle gehören, kommen seine Getränke richtig gut an.

Regionale Säfte seit 1984

Dass es mal so kommen würde, hatte Bernd Velke sicher nicht im Sinn, als er die Mosterei von seinem Vater übernahm. Seit 1984 keltert er hier zusammen mit Axel Otolski Obst aus heimischem Anbau wie Äpfel, Birnen und Quitten. Anfangs noch in braunen Bierflaschen. Doch von Anfang an setzten sie auf Qualität. Nach und nach kamen mehr Sorten hinzu. Zum Beispiel Pflaumensaft, Fliederbeere – oder eben Rhabarber.

Auf diesen hellroten Saft sind Velske und Otolski besonders stolz. Wie er hergestellt wird, ist ein Betriebsgeheimnis. Nur so viel verrät Velske: „Am besten eignet sich der rote Rhabarber. Der ist teurer und schwerer zu bekommen. Nach dem Waschen werden die Stangen zu einem faserigen Brei zerschnitten. Die Maische kommt dann in die Presse.“ Damit die Schorle nicht ihre hellrote Farbe verliert, kommt ein wenig Johannisbeersaft hinzu. Außerdem Zucker, Wasser und Kohlensäure – fertig ist das Kultgetränk.

Wachstum ja – aber in Maßen

Von Anfang Mai bis Ende Juni hat der kleine Lütauer Betrieb allein 150 Tonnen Rhabarber, das sind zehn Lkws voll, zu 150000 Litern Saft verarbeitet. Doch das ist mehr als es sich anhört. Denn zur Zeit teilen sich zwölf Großbetriebe in Deutschland 85 Prozent des Gesamtumsatzes auf dem Saftmarkt. Die Lütauer Kleinmosterei gehört zu den 500 Betrieben, die zusammen nur fünf Prozent des Umsatzes machen. „Viele vermuten, dass hinter uns eine zentrale Marktmacht steckt“, sagt Velke. Doch das ist nicht der Fall. „Klar wollen wir weiter wachsen“, meint Velke. „Aber langsam. Nur so, wie es das Produkt zulässt.“ Und es stimmt - dort draußen in Lütau geht es nach wie vor beschaulich zu.
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