Der alte Knast wird ein Café

Das alte Amtsgericht an der Compestraße stand viele Jahre lang leer. Jetzt kommt Leben zwischen die alten Mauern.
Noch sind die Fenster vergittert und mit Efeu bewachsen, die Gänge trist und kahl, die Räume verlassen und düster, doch bald wird Leben in das 200 Jahre alte Amtsgericht und ehemalige Gefängnis an der Compestraße kommen. Das Gut Lanken, das sein Domizil in Elmenhorst hat, kaufte dem Justizministerium das seit 1965 unter Denkmalsschutz stehende Gebäude im letzten Jahr ab und will dort jetzt einen Hofladen, eine Café mit Garten und 16 Appartements einrichten.
Die Planungen und Vorbereitungen dafür haben begonnen. „Bis zum Herbst 2013 soll alles fertig sein. Den Hofladen und das Café wollen wir jedoch schon früher eröffnen“, sagte Barbara Hollmann, die als Werkstattleiterin im Gut Lanken tätig ist. Das Gemäuer, das viele Jahre lang leer stand, wird völlig umgekrempelt. Im Erdgeschoss entsteht rechts neben dem Eingang der Laden, in dem frisches Gemüse aus dem Anbau des Gutes Lanken verkauft wird. Bisher haben die Gemüse- und Obstbauern lediglich einen Stand auf dem Schwarzenbeker Wochenmarkt. Links neben dem Eingang wird ein Café eröffnet. Bei schönem Wetter können die Gäste den Kuchen und abends auch unter freiem Himmel ein Gläschen Wein genießen. Im knapp einhundert Quadratmeter große Freistundenhof, wo einst die Häftlinge eine Stunde täglich, eingegrenzt von vier Meter hohen dicken Mauern, ihre Runden drehten, entsteht der Garten des Cafés. Er wird auch von der Compestraße zu erreichen sein. „Dieser Hof hat es uns gleich angetan. Das wird sehr gemütliches, lauschiges Plätzchen mit vielen Pflanzen. Wir werden schönen Sitzgruppen hinstellen und ein Sonnendach anbauen“, schwärmt Barbara Hollmann, die studierte Landwirtin und Agraringenieurin ist. Für die geplante Gastronomie wird auf dem Gut Lanken schon seit einem Jahr das Service-Team vorbereitet. Acht Männer und Frauen lernen unter Anleitung der Hotelfachfrau Katja Beiler, wie man Gäste bedient und die Speisen an die Tische bringt.
Eine Wandlung erfährt auch der ehemalige Gefängnistrakt. Hier entstehen moderne Appartements. Acht Quadratmeter große Zellen gehen links und rechts von dem langen, tristen Gang ab. Um daraus die Wohnungen von 25 bis 30 Quadratmetern Größe zu bauen, müssen Wände eingerissen werden. Die Appartements werden mit modernen Küchenzeilen und Duschbädern ausgerichtet. Sie sind 16 Bewohnern des Gutes Lanken vorbehalten. Sie werden in Wohngruppen betreut und bekommen Gemeinschaftsräume zum gemeinsamen Essen oder Feiern.
Für das Projekt wird jetzt der Bauantrag eingereicht. Inzwischen steht auch die Finanzierung. 1,9 Millionen Euro will das Gut Lanken durch einen Kredit aufbringen. Zudem ist das Vorhaben ein „Leuchtturmprojekt“ der „AktivRegion Sachsenwald-Elbe“ und wird mit 202 500 Euro unterstützt. Das Gut bietet Menschen mit Behinderungen ein Zuhause und Arbeit in der hauseigenen Gärtnerei, der Landwirtschaft, in der Holzwerkstatt, im Hofladen und dem Hofcafé. Dort gibt es für sie 80 Arbeitsplätze und 40 Wohnplätze.
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