Keksbäckerei Lembcke in Schwarzenbek geschlossen

Die Lembcke-Mitarbeiter Heike Klüver und Rainer Hardt wagen den Neuanfang in Großröhrsdorf.
Ich bin Echo-Reporterin Monika Retzlaff. Mein vierjähriger Polnischer Niederungs-Hütehund Barney, braucht täglich mindestens zwei Stunden Auslauf. In „seinem“ Territorium, dem Rülauer Wald in Schwarzenbek, kennen wir schon fast jeden Baum und Strauch. Deswegen gehen wir jetzt zusammen auf Entdeckungsreise durch den Kreis Herzogtum Lauenburg, denn eines haben wir gemeinsam: Wir stecken unsere Nase gern in alles, was uns interessant vorkommt, gehen gern auf Menschen zu und wollen sie kennen lernen.

Des einen Freud‘ ist des anderen Leid. Diese Volksweisheit kommt bei einem Spaziergang in der Schwarzenbeker Meiereistraße in den Sinn. An dem Haus mit der Nummer 8 bis 10 hängt zwar noch das dunkelblaue Firmenschild der Gebrüder Lembcke GmbH & Co Gebäckspezialitäten, aber anstatt reger Betriebsamkeit herrscht dort traurige Stille. Die Hallen sind fast menschenleer, die Rollläden herunter gelassen, „Lembckes Lädchen“ mit dem Werksverkauf ist seit einigen Tagen geschlossen. Es duftet nicht mehr nach Schokolade, Vanille, Nüssen, Marzipan und zerlassener Butter. Die Traditionsfirma, die die Lembckes jahrzehntelang als ehrbare, hanseatische Kaufmannsfamilie führten, wurde 2009 an Andreas Coppenrath verkauft und zieht jetzt nach Großröhrsdorf in der Nähe von Dresden. Dort kaufte Coppenrath das Unternehmen Freudenberg Dauerbackwaren, was für das sächsische Traditionsunternehmen wohl ein hoffnungsvoller Neuanfang in Zeiten der Insolvenz war. Zum 1. Januar übernahm die neu gegründete Confiserie Mellinia GmbH das operative Geschäft der Freudenberg Dauerbackwarenherstellung und -vertrieb GmbH. Der Standort in Großröhrsdorf bleibt erhalten und das Angebot wird mit der Produktpalette von Lembcke erweitert. Die beliebten Pariser Herzen, Florentiner, Mandelsplitter und vieles mehr kommen sollen dann aus Sachsen kommen.

Mitte Dezember hatten in Schwarzenbek die knapp 60 langjährigen Vollzeitkräfte und etwa 20 Aushilfskräfte in einer Betriebsversammlung von der Umzugs-Entscheidung erfahren - ein Schock kurz vor dem Jahresende. Viele Schwarzenbeker und Politiker äußerten ihre Betroffenheit, Trauer und Entsetzen. Geholfen hat es nichts, denn jetzt ist es soweit: Der Abschied von der Traditionsfirma ist da. Das Equipment wird größtenteils mitgenommen. Aber nur wenige Mitarbeiter gehen mit. Aus der Chefetage war zu vernehmen, dass die meisten anderen Lembcke-Mitarbeiter eine neue Arbeit gefunden hätten.
In dem 7000 Einwohner zählenden Städtchen Großröhrsdorf wollen unter anderem der Produktionsplaner Rainer Hardt und die Qualitätsmanagerin Heike Klüver arbeiten. „Ich pendele zwischen meiner Heimatstadt Soltau und Großröhrsdorf“, sagte Hardt, der Betriebswirtschaft studierte. So herrscht in Großröhrsdorf „Freud´“ und in Schwarzenbek das „Leid“.

WO ist es interessant? WO gibt es etwas zu entdecken? WAS möchten Sie uns erzählen? Schreiben Sie an: mitbarneyunterwegs@aol.com
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.