Keksfabrik Lembcke: Schwarzenbeker Traditionsfabrik zieht nach Sachsen

Schwarzenbek (rz). Feines, handgemachtes Gebäck und Konfekt aus Schwarzenbeker Produktion – das ist ab Mitte nächsten Jahres Geschichte. Die Firma Gebrüder Lembcke GmbH &Co zieht ins sächsische Großröhrsdorf in der Nähe von Dresden. Das erfuhren die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung am Freitagnachmittag. Seitdem liegen Stille und Betroffenheit über den Fabrikhallen, im Schokoladenhauss und über „Lembckes Lädchen“, wo sich viele Kunden im Fabrikverkauf für Weihnachten mit Baumkuchen, Mandelsplittern und Käsegebäck eindecken.
Nicht nur Schokoladenduft, sondern auch die Vorahnung von Veränderungen lag schon seit längerem in der Luft. 2009 hatte Andreas Coppenrath, der in sechster Generation Geschäftsführer des 1825 gegründeten Unternehmens „Coppenrath Feingebäck“ ist, von den Brüdern Uwe und Holger Lembcke, die Fabrik an der Meiereistraße 8-10 gekauft. „Lembcke ist der Mercedes unter der Keksen“, hatte Coppenrath damals gesagt und geäußert, dass mit dem Kauf für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen sei. Coppenrath sah aber auch die dringende Notwendigkeit, die Produktion zu modernisieren, was sich aber in den alten Gebäuden wirtschaftlich nicht realisieren ließ. Wie sich nun herausstellte, ist ein Neubau auf grüner Wiese auch nicht finanzierbar. „Wir hatten es sehr schwer, hier vorwärts zu kommen“, sagte Coppenrath. An der Stadt habe dies aber nicht gelegen. Mit der Stadt habe er sehr gut zusammengearbeitet und ein Grundstück für einen Neubau wäre nicht das Problem gewesen, sagte der Geschäftsmann.
Nun entschied er sich für einen neuen Standort in Sachsen. In dem knapp 7000 Einwohner zählenden Städtchen Großröhrsdorf, das 22 Kilometer von der Landeshauptstadt Dresden entfernt ist, kaufte Coppenrath die Freudenberg Dauerbackwaren GmbH. Das traditionsreiche Unternehmen wurde 1896 von Bernhard Freudenberg gegründet. Damals war es eine Weiß- und Mischbrotbäckerei. Sein Erich begann in den zwanziger Jahren Lebkuchen und Kekse herzustellen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde wieder nur Brot gebacken, Lebkuchen kamen aber später wieder hinzu. Im Mai 1972 wurde Betrieb zwangsverstaatlicht. Nach der Wende wurde er wieder privatisiert. Im März 2011 wurde jedoch Insolvenz angemeldet. Die 2006 neu errichtete Produktionsstätte („Kemm’sche Kuchen“) mit 50 Mitarbeitern war nicht genügend ausgelastet. Zum Jahresende hätte der moderne Betrieb geschlossen werden müssen.
In den kommenden Wochen soll dort in der 5000 Quadratmeter großen Halle nun auch die Produktion von Lembcke-Leckereien beginnen. „Es sind dann zwei Firmen unter einem Dach, Freudenberg und Lembcke. Auch der Name Lembcke bleibt erhalten. Es wird genauso Handarbeit sein, aber alles ist zukunftsfähiger. Wir machen einen sanften Übergang. Am 30. Juni schließen wir die Produktion in Schwarzenbek“, sagte Coppenrath. Die Zukunft der Mitarbeiter lässt den Geschäftsmann nicht kalt. „Der letzte Freitag mit der Betriebsversammlung war einer der schwersten Tag in meinem Leben“, sagte er. Die 60 Mitarbeiter, von denen viele seit langer Zeit bei Lembcke arbeiten, haben alle die Möglichkeit, einen Arbeitsplatz in dem neuen Standort zu bekommen. Schon jetzt hätten einige Mitarbeiter sich dafür entschieden, sagte Coppenrath. Er wird für diese Mitarbeiter einen Pendelverkehr mit einem werkseigenen Bus einrichten, damit sie übergangsweise an den Wochenenden von Sachsen nach Hause fahren können, bevor sie vielleicht ganz dort hin ziehen. Außerdem will Coppenrath „Lembckes Lädchen“, den Fabrikverkauf, erhalten und sucht dafür in Schwarzenbek ein passendes Ladenlokal mit vielen Parkmöglichkeiten und jemanden, der den Laden betreibt.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.