Mit dem Einrad zum "Reichstag" und zurück

Katarina, Wolfgang und Kristin Meyer (v.li.) spazieren mit den Katzen Mini und Sunny öfter mal zum „Reichstag“.
  Ich bin Echo-Reporterin Monika Retzlaff. Mein vierjähriger Polnischer Niederungs-Hütehund Barney, braucht täglich mindestens zwei Stunden Auslauf. In „seinem“ Territorium, dem Rülauer Wald in Schwarzenbek, kennen wir schon fast jeden Baum und Strauch. Deswegen gehen wir jetzt zusammen auf Entdeckungsreise durch den Kreis Herzogtum Lauenburg, denn eines haben wir gemeinsam: Wir stecken unsere Nase gern in alles, was uns interessant vorkommt, gehen gern auf Menschen zu und wollen sie kennen lernen.

Kristin Meyer aus Büchen fährt mit ihren Einrad locker bis zum Reichstag und zurück, ohne Pause und manchmal sogar mehrmals am Tag. Allerdings sind es vom Wohnhaus der 14-Jährigen bis zum dem historischen Gebäude nur ein paar Meter.

„Reichstag“ nennen die Büchener das größte und imposanteste Haus in der Eisenbahnersiedlung Quellental. Dort, wo sich Bahnstrecken nach Berlin und Lüneburg gabeln, hatte die Bahn nahe des Bahnhofes, der seit seiner Eröffnung 1851 ein wichtiger Eisenbahnkontenpunkt ist, ab 1870 eine Siedlung mit sieben Gebäuden für ihre Bediensteten gebaut – genannt „Quellental“.

Seit 2001 ist die Siedlung einer von vier Denkmalbereichen in Schleswig-Holstein und steht komplett unter Schutz, so wie auch die Altstadt in Lauenburg, das Fischerstädtchen Bad Arnis an der Schlei und der alte Dorfkern von Sieseby.

Wer am Elbe-Lübeck-Kanal in Büchen spazieren geht, gelangt über eine schmale Straße bergab nach Quellental. In einer Doppelhaushälfte des seit 2001 unter Denkmalschutz gestellten Komplexes wohnt Familie Meyer, zu der neben Kristin auch Katarina, Ronny, Mutter Sylvia und Vater Wolfgang sowie die das Katzenbaby Sunny, Katze Mini, der Kater Garfield und ein schwarzer Kroatischer Hütehund gehören.

„Früher hatten wir auch Kaninchen und Hühner“, erinnert sich Kristin. Die Schuppen und Nebengebäude bieten viel Platz dafür, denn für die Eigenversorgung der Eisenbahnerfamilie waren sie ausgerichtet. Große Gärten hinter den Häusern aus rotem Backstein sollten den Eisenbahnern ermöglichen, sich selbst kostengünstig mit Obst und Gemüse zu versorgen. So stehen im Garten der Meyers heute noch alte Apfel, Birnen-, Kirschen- und Pflaumenbäume.

Als die Familie vor zehn Jahren dorthin zog, hatte gerade ein Büchener die Siedlung gekauft. Zuvor besaß eine Wohnungsgesellschaft die Häuser. Eine Gasheizung ersetzte beim Einzug der Meyers die Ofenheizung. Ein Bad gab es schon.

„Ganz früher gab es hier gar keine Toiletten. Man musste die Straße entlang gehen bis zum Häuschen mit dem Plumpsklo, sagte Katarina. Doch das weiß sie nur aus Erzählungen ihres Nachbarn, der selbst Eisenbahner war, nun aber weggezogen ist.

Jetzt ist Rosalia Ricobono (60) die einzige Bewohnerin der Siedlung, die eine Verbindung zur Eisenbahn hat. Sie wohnt schon seit 45 Jahren im „Reichstag“. Als Kind war sie mit den Eltern 1968 hergezogen. „Mein Vater war Eisenbahner im Bahnbetriebswerk Altona“, erzählt sie. Von ihm übernahm sie die Wohnung und sie kann sich nicht vorstellen, einmal woanders zu leben.
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