Spielen und Lernen in der neuen Gülzower Schule

In der Mittagspause ist genügend Zeit zum Spielen und Stöbern in Kinderbüchern.
 
Die Schulleiterin Anke Ormeloh und die Lehrerin Susanne Klinkert unterrichten die Kinder.
Gülzow. Morgens zwischen halb acht und acht treffen die 19 Schüler der neuen Evangelischen Schule in Gülzow im Klassenzimmer ein. Wenn alle da sind, versammeln sie sich zum „Morgenkreis“. Eine Schulklingel gibt es nicht. Die Lehrerin Anke Ormeloh, die die Schule leitet, liest eine Geschichte vor. Darauf baut die „Freiarbeit“ auf, die dann für die Kinder beginnt. Dafür haben Anke Ormeloh und die Lehrerin Susanne Klinkert für jedes Kind individuelle Wochenpläne mit Aufgaben und Arbeitsblättern ausgearbeitet. Sie orientieren sich an dem, was die einzelnen Kinder noch üben müssen. Aus dem Material nehmen sich die Schüler Aufgaben, üben mit Zahlen, das Lesen oder die Schrift. Danach gibt es ein gemeinsames Frühstück, dem sich der gebundene Unterricht in einem Klassenraum anschließt. Nach der Mittagspause geht es mit Kursen, Projektarbeit und Förderunterricht weiter, bevor die Kinder von 14 bis 17 Uhr in die Nachmittagsbetreuung der Schule gehen.
So sieht der Schulalltag in der neuen Evangelischen Schule in Gülzow aus. Er orientiert sich an dem Rahmenplan, damit die Kinder gut auf die weiterführenden Schulen vorbereitet werden. Der Tagesablauf ist fließend, die Pausen können variieren. Die Schule hat ein evangelisches Profil. Das heißt aber nicht, dass Andachten und Gottesdienste den Tagesablauf bestimmen. Im Mittelpunkt steht das christliche Verständnis, wonach Bildung und Erziehung, Leben und Lernen zusammengehören. „Die Kinder sollen mit einer vom Evangelium Jesu Christi herkommenden Hoffnung darauf bekannt werden werden, dass diese Welt in aller Vorläufigkeit und Endlichkeit großartige Lebensmöglichkeiten und -chancen bietet“, beschrieb Gülzows Pastor Matthias Mannherz das Schulprofil.
Vor drei Monaten ist das nicht mehr nur Theorie. 17 Erstklässler und zwei Kinder der Klassenstufe Zwei wurden am 7. August eingeschult. „Die Kinder mussten in den letzten Wochen erst einmal lernen, was in der Schule von ihnen erwartet und verlangt wird. Sie schlossen Freundschaften und fanden heraus, mit wem zusammen sie gut lernen können. Das klappt immer besser und ich freue mich jeden Tag darüber, welche Fortschritte die Kinder machen“, sagte Anke Ormeloh. Die 51-Jährige ist aus Rostock nach Gülzow gezogen. Vorher arbeitete sie zehn Jahre als Lehrerin an der „WiR-Werkstattschule in Rostock“, die in freier Trägerschaft ist. Davor lehrte sie 15 Jahre lang Kinder in einer internationalen Dorfschule im Süden Indiens. In dieser Zeit bildete sich in einem USA-Aufenthalt über jahrgangsübergreifenden Unterricht weiter. Die Lehrerin Susanne Klinkert zog es aus dem Ruhestand nach 30 Jahren Schuldienst in den Hamburger Stadtteilen Nettelnburg und Altona in die kleine Gülzower Schule. Die Kinder behutsam aber konsequent für die weiterführende Schule vorzubereiten und sie in ihrer Persönlichkeit zu stärken ist ihr Anliegen. Unterstützt werden die beiden Lehrerinnen durch die Erzieherinnen Melanie Conrads und Renate Mentzel, die sich um die Kinder während des Unterrichts und am Nachmittag betreuen.
„Das besondere in Gülzow ist, dass sich nicht nur die Eltern überdurchschnittlich viel engagieren, sondern auch die Leute im Dorf interessieren sich sehr für die Schule. Ohne das alles wäre diese Schule gar nicht möglich“, sagte Anke Ormeloh. Am Tag der offenen Tür, den der Förderverein der Schule am vergangenen Wochenende organisierte, kamen nicht nur interessierte Eltern, sondern auch viele Dorfbewohner. Viele gehen in die Schule und bieten Kurse in der Nachmittagsbetreuung an. „Neulich haben wir mit einer Gülzowerin zusammen Dekorationen aus Heu gebastelt. Mit einer anderen machten wir Figuren aus Salzteig“, erzählt Anke Ormeloh. Inzwischen hat sich die Schule in der Region herumgesprochen. Für das neue Schuljahr gibt es schon 15 Anmeldungen. „Es sind aber noch Anmeldungen möglich“, sagte die Schulleiterin. Das Schulgeld beträgt 120, 00 Euro monatlich. www.evangelische-schule-guelzow.de
Historie:
2009 beschließt das Bildungsministerium in Kiel die Schließung der Grund- und Hauptschule in Gülzow. Am 31. Juli 2010 endet die Geschichte dieser Dorfschule, die 1966 gebaut wurde. Sie wird geschlossen. Die Suche nach einer neuen Nutzung beginnt. Im Juni 2010 gibt es die ersten Infoveranstaltungen über das Thema „Evangelische Schule in Gülzow“ im Markttreff. Am 7. Juli wird der Trägerverein „Evangelische Schule Gülzow“ gegründet. Im Juni 2011 steht fest, dass die Schulstiftung in Mecklenburg Vorpommern und Nordelbien die Trägerschaft für die Schule übernehmen wird. Der Schulstart im August 2011 scheitert, weil es nicht genügend Anmeldungen gibt. Im November 2011 und Januar 2012 gibt es sehr gut besuchte Infotage in der künftigen Schule. Im Februar 2012 kommen genügend Schulverträge zusammen. Am 24. Juli wird die Betriebgenehmigung erteilt und die Schule kann am 7. August 2012 mit einer Einschulungsfeier beginnen.
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