Unsere Eschen sterben aus

Bild: „Diese Esche ist durch den Befall eines Killerpilzes abgestorben und muss gefällt werden“, sagte Eckard Wenzlaff. Der rot gekennzeichnete Baum steht dicht am Weg nahe des Funkturmes.
Schwarzenbek (rz). Der Rülauer Wald ist vom europaweiten Sterben der Eschen betroffen. Die Bäume sind von einem Schlauchpilz befallen, der mutiert ist. Für die Eschen gibt
es keine Rettung mehr. Es wird sogar ihr völliges Aussterben befürchtet. Der Killerpilz kappt die Leitungsbahnen dieses Laubbaumes. Die Kapillaren können ihn dann nicht mehr mit Nährstoffen versorgen. „Die Bäume sind zum Tode verurteilt. Sie sterben relativ schnell von oben nach unten ab. Auch die Wurzel ist schnell befallen. Die Bäume haben dann keinen Halt mehr und kippen wie Streichhölzer um“, sagte Eckard Wenzlaff zuständiger Förster der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.
Das Eschensterben hat er bei einer gemeinsamen, turnusmäßgen Begehung, die er im Oktober zusammen mit dem Bauhofleiter Michael Timm wegen der Verkehrssicherung durchgeführte, festgestellt. Deshalb werden die kranken Eschen und einige andere Bäume an den Wegen seit gestern durch die Mitarbeiter des Bauhofes gefällt. Die Bäume könnten sonst der Länge nach auf die Wege fallen und Spaziergänger gefährden. Die betroffenen Bäume sind bei der Begehung mit roter Neonfarbe gekennzeichnet worden. Sie befinden sich hauptsächlich im östlichen Teil des Rülauer Waldes.
In Dänemark sind bereits 90 Prozent dieser Laubbäume abgestorben. „Im Rülauer Wald beträgt der Bestand an Eschen zum Glück lediglich ein Prozent“, sagte Eckard Wenzlaff. Die Bäume, egal ob sie nun jung, alt, groß oder klein sind, sind dem Tode geweiht. Anfang der 1990er Jahre verzeichneten die Förster erstmals im nordwestlichen Teil Polens, dass die Eschen in großer Zahl absterben. Sie sahen abgestorbene Flecken an Stämmen und Zweigen, welke Blätter und Triebe an den Wipfeln. Das unter der Rinde befindliche Holz färbte sich braun. Selbst im Winter sind befallene Bäume leicht zu erkennen. Sie haben nur noch wenige Zweige in der Krone. Die Krankheit breitete sich rasch nach Schweden, Österreich, Deutschland, Dänemark, Finnland, Litauen und Tschechien aus. Inzwischen ist auch Großbritannien betroffen.
Verantwortlich für das Desaster ist eine neue Nebenfruchtform eines Schlauchpilzes, die 2006 den Namen Chalara fraxinea erhielt. Dieser Pilz wurde neben anderen schädigenden Pilzen in den kranken Eschen gefunden. Nach Impfversuche mit Chalara fraxinea begannen die Eschen schnell zu sterben. Erst 2010 entdeckten Forscher die Hauptfruchtform, von dem der Killerpilz abstammt. Es ist der bis dahin unbekannte Schlauchpilz Hymenoscyphus pseudoalbidus. Warum dieser Pilz zum Auslöser einer neuen Baumkrankheit wurde, ist noch unklar. Mögliche Ursache könnte eine Mutation sein. Umwelteinflüsse könnten die Schädlichkeit des Pilzes verstärkt haben. Bis Weihnachten sollen nun die kranken Eschen, die an Wegen stehen, gefällt sein. Darüber hinaus sind an einigen besonders wertvollen Bäumen in anderen Teilen des Waldes für die Sicherheit der Besucher Pflegeschnitte notwendig. Doch bevor dort Hand angelegt wird, begutachtet ein Baumsachverständiger im Auftrag der Stiftung Naturschutz die Bäume und gibt entsprechende Empfehlungen.
Das anfallende Holz verbleibt überwiegend als so genanntes Totholz im Wald liegen und dient zahlreichen Insekten, Pilzen und Vögel als Unterschlupf und Nahrungsgrundlage. Die Stiftung Naturschutz hatte den Rülauer Wald 2008 gekauft und will ihn zu einem Urwald werden lassen. Das Waldstück, das noch in allen Karten als Rülauer Forst bezeichnet wird, dient nicht mehr der Holzgewinnung. Deshalb wurde zunächst auch der Name geändert in Rülauer Holz. Weil der Wald aber viel mehr ist Holz, solle er nun einfach Rülauer Wald heißen. Eckhard Wenzlaff hat das Vorhaben als zuständiger Förster der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein begleitet. Nun verlässt er Schleswig-Holstein, um als Förster in der Stiftung „Nationales Naturerbe“ des Naturschutzbundes Nabu vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt tätig zu sein. Den Rülauer Wald betreut ab Januar der Biologe Bernd Struwe-Juhl von der Striftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Unterstützt wird er in allen fachlichen Fragen zum Thema Wald von der Firma „silvaconcept“. Deren Forstexperten beraten die Stiftung Naturschutz schon seit Jahren in allen forstlichen Fragen, wie Baumpflege und Neuanpflanzungen.
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