Wer findet ein Domizil in der verwaisten Kulturstätte ?

Schwarzenbek (rz). Anfang Juli wurde das Amtsrichterhaus, das mehr als 20 Jahre lang eine beliebte Stätte für Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und Kunsthandwerkermärkte war, in den Dornröschenschlaf versetzt. Nachdem die letzte Kustodin Meike Wenck zum Jahresende 2011 gekündigt hatte, stand bald danach fest, dass sie Stadt weder ihre Nachfolge noch das Amtsrichterhaus weiter finanzieren kann. So war der Freundeskreis, der jahrzehntelang eng mit den wechselnden Kustoden und der Stadt zusammengearbeitet hatte, für die letzte Ausstellung im Juli nur noch Zuschauer. Die Stadt hatte die Vernissage für die Schau des Hamburger Kurators Frank Barth mit Werken von 18 Künstlern übernommen und danach schlossen sich die Türen – ein trauriger Tag für den Freundeskreis. Die Mitglieder beschlossen aber in der Jahreshauptversammlung im September, weiter zu machen und die Entwicklung über die künftige Nutzung des Hauses abzuwarten
Doch es tat sich bisher nichts. Das Konzept der Lebenshilfe e.V., die dort mit Behinderten ein Literaturcafé aufmachen wollte und das Vorhaben des Marketingfachmanns Michael Bender, der in dem ehrwürdigen Haus ein „Officinum“ mit kleiner Druckerei einrichten und Arbeitsplätze für Kreative einrichten wollte, erwiesen sich nicht als tragfähig. Im September kam die Wende: Es begannen Gespräche mit der Volkshochschule Schwarzenbek (VHS). Sie ist gegenwärtig in der Kreissparkasse an der Berliner Straße untergebracht. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass die Stadt 35 000 Euro Miete im Jahr sparen könnte und das Amtsrichterhaus wäre die ganze Woche über ausgelastet. „Es ist noch nicht entschieden, ob die Volkshochschule dort einziehen kann“, sagte Jürgen Heitmann, Vorsitzender des Sozial- und Kulturausschusses nach den Gesprächen mit der VHS in der letzten Woche. Jetzt öffnet das Amtsrichterhaus für zwei Tage: Am 3. und 4. November, richtet Hans-Jürgen Rumpf, der die Kulturstätte selbst vor 18 Jahren übernommen und neun Jahre lang leitete, zum 17. Mal den beliebten Kunsthandwerkermarkt aus. Am Wochenende danach (10. und 11. November) zeigt die Malgruppe Fakt aus Schwarzenbek und Geesthacht ihre 13. Ausstellung. Sie ist an beiden Tagen von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
Danach öffnen sich die Türen in diesem Jahr nur noch für Hochzeiten. Bis zum Jahresende kann man sich noch in dem Fachwerkhaus trauen. „Als Ort zum Heiraten war es in diesem Jahr sehr beliebt. 17 von 51 Trauungen in Schwarzenbek fanden dort statt“, sagte die Schwarzenbeker Standesbeamtin Claudia Fieberg. In dem alten Haus, das von 1765 bis 1767 gebaut wurde, wohnte früher der Amtsschreiber und von 1870 bis 1968 lebten dort die Amtsrichter mit ihren Familien. Eineinhalb Morgen „Dienstland“ gehörten zu ihrem Anwesen, auf dem sie Obst und Gemüse anbauten. Heute ist der „Justizgarten“ ein Kleinod mit hohen Trauerbuchen, Pyramideneichen und Hainbuchen, die im Herbst ihr prächtig-buntes Laub zeigen. Wer im nächsten Jahr in dieser Idylle „Ja“ sagen möchte, hat das nachsehen, denn so lange die künftige Nutzung des Hauses unklar ist, kann das Standesamt dort keine Trauungen planen.
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