40 Jahre Wohngebiet: "Ureinwohner" des Pirschgangs schätzt die Nähe zur Natur

Reinhard Wiese (72) ist ein „Urgestein“ in der Wohnanlage am Pirschgang, die 1974 gebaut wurde. Seitdem wohnt der Kommunalpolitiker dort.
Schwarzenbek (rz). Als Reinhard Wiese in Hamburg seine Ausbildung als Beamter für den gehobenen Dienst erfolgreich absolviert hatte, bekam er von seinen Eltern Else und Heinrich Wiese zwei Anteile der Allgemeinen Deutschen Schiffszimmergenossenschaft Hamburg im Wert von 600 Mark geschenkt. Das war 1961, Reinhard Wiese war 20 Jahre alt und wohnte im Hamburger Stadtteil Dulsberg.

Wiese blieb dem Beruf treu und der Genossenschaft. Nur Hamburg blieb er nicht treu, denn als die Schiffszimmerer 1974 die Wohnanlage mit 102 Wohnungen am Pirschgang in Schwarzenbek fertig stellten, zog er aus der Hafenstadt in die aufstrebende Europastadt und wohnt bis heute in der hübschen Wohngegend nahe des Rülauer Waldes. So ist Weise einer der sieben „Ureinwohner“ des Pirschganges.

Mehr Zeit für Frau und Pflegetochter

„Es war etwas völlig Neues für mich, im Grünen zu wohnen und ich fand es von Anfang schön hier“, erzählte er. Jeden Tag pendelte er zur Arbeit ins Sozialamt Billstedt, das er später auch leitete. Der Sozialdemokrat meldete sich im Ortsverein an und wurde auch gleich bürgerschaftliches Mitglied und vier Jahre später Stadtverordneter. Bis 1990 war er als Kommunalpolitiker tätig, wollte dann aber mehr Zeit für seine Frau und die Pflegetochter haben.

Die Mieter am Pirschgang wählten ihn als Vertreter und so übernahm Wiese bis heute auch Verantwortung in der Schiffszimmerergenossenschaft. Er ist Mittler zwischen den Mietern und der Genossenschaft, kümmert sich um den Zusammenhalt und gemeinsame Aktivitäten.

Jedes Jahr eine gemeinsame Busfahrt

So machen die Bewohner des Pirschganges jedes Jahr eine Busfahrt. Sie waren beispielsweise zusammen in Berlin und Vogelpark Walsrode. In der Adventszeit geht Wiese mit den Kindern in das Weihnachtsmärchen, das das Theater Schwarzenbek aufführt. Er machte sich auch für Wünsche der Mieter bei der Genossenschaft stark.

Ein Fahrradhaus wurde gebaut, in dem jeder seinen Drahtesel unterstellen kann. So muss niemand mehr sein Rad mühsam aus dem Keller schleppen und wieder hinein.

Bewohner sind zusammengewachsen

In den 40 Jahren des Bestehens der Wohnanlage sind nicht nur Ahornbäume und Birken am Pirschgang gewachsen. „Auch wir sind zusammen gewachsen. Es gibt mehr Zusammenhalt als früher. Damals waren viele mit sich selbst beschäftigt“, sagte Wiese, der im Mai erneut als Stadtverordneter gewählt wurde.

Heute gibt es mehr Aufmerksamkeit für den anderen. Das zeigte sich auch beim Sommerfest, das die Anwohner und die Genossenschaft kürzlich feierten. Viele Mieter backten Kuchen und bereiteten Salate für die Feier. Sie baten die Festgäste um Spenden, die dann unter den fleißigen Bäckern und Köchen aufgeteilt werden sollten.

Weil aber in Deutschland viele Menschen unter der Flut leiden, Hab und Gut verloren, behielten die Anwohner das Geld doch nicht für sich, sondern spendeten diesen Betrag für die Opfer des Hochwassers. „Die Sparbüchse war recht voll. 152 Euro kamen zusammen“, sagte Wiese.
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