Kleiner großer Held: Justin (15) rettet seinem kleinen Bruder das Leben

Die Eltern Heiko und Daniela Rathge sind stolz auf ihren Sohn Justin (re), der seinem Bruder Tyrone das Leben rettete. Foto: Retzlaff
 
Erst diesen Sommer lernte Justin (links) bei seiner Ausbildung als Rettungsschwimmer, die er im Verein SiWa-Sicheres Wasser e.V. mit Helge von Appen (Mitte) absolvierte, die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Foto. SiWa (Foto: SiWa)

Geesthacht (rz) „Ich habe gedacht: Jetzt verlieren wir ihn, er stirbt!“ Daniela Rathge ist noch immer erschrocken über den dramatischen Vorfall am 15. November als ihr sechsjähriger, behinderter Sohn Tyrone einen Krampfanfall mit Atemstillstand erlitt.


Tyrone war es den ganzen Tag über nicht besonders gut gegangen. Der Junge, der wegen eines unerforschten Syndroms behindert ist, war blass und schwach. Er aß nicht viel und musste sich übergeben. Nach dem Abendessen, das aus etwas Brei bestand, legte die Mutter das Kind ins Bett und schaute dann eine Dreiviertelstunde später nach ihm. Der Anblick des Jungen ließ sie Erstarren: Tyrone hatte sich übergeben, er war nicht ansprechbar, krampfte und lief blau an. Daniela Rathge rief ihren Mann Heiko, der sogleich die Treppe hinauf in das Kinderzimmer eilte. Justin lief ihm hinterher. Er bemerkte schnell, dass seine Eltern Panik hatten, wie gelähmt und handlungsunfähig waren. Er schob seinen Vater beiseite und sagte: „Ich mache das hier!“. Tyrone wurde auf den Teppich gelegt. Justin kontrollierte Atmung und Herzschlag. Der kleine Bruder atmete nicht, aber das Herz schlug. Justin schaute nach, ob noch Erbrochenes im Mund war, überstreckte den Kopf des Bruders und beatmete ihn durch den Mund, während der Vater den Rettungsdienst rief. Justin gab seinem Bruder Atemspenden, bis die Rettungskräfte alles Weitere übernahmen. Sie schickten die geschockten Eltern aus dem Zimmer. Justin, der cool geblieben war, durfte bei seinem Bruder bleiben. Im Krankenhaus Hamburg-Eppendorf, wo Tyrone nach drei Tagen wieder wohlauf war und entlassen werden konnte, bestätigten die Ärzte den Eltern: Das war in letzter Minute. Justin hatte seinem Bruder das Leben gerettet.
„Einer musste ja ruhig bleiben. Wir haben das trainiert“, sagte Justin, der das Otto-Hahn-Gymnasium besucht und Chirurg werden möchte. Mit „wir“ meinte er die Rettungsschwimmer in seinem Verein SiWa-Sicheres Wasser e.V. Der Verein hat 45 Mitglieder, darunter 30 Rettungsschwimmer. Er übernimmt Wasserrettungs- und Sanitätsdienste und führt im Sommer die Badeaufsicht am See in Müssen durch. Erst in diesem Sommer hatte Justin dort zuerst seine Jugendschwimmabzeichen in Silber und Gold gemacht und dann eine Ausbildung als Rettungsschwimmer absolviert. Die Herz-Lungen-Wiederbelebung ist ein Herzstück dabei. „Das haben wir so oft geübt bis es saß, bis wir sicher waren und keine Fehler mehr gemacht haben“, sagte Justin. An „Little Anne“, der Übungspuppe, wurde das bei jedem Zusammentreffen am See trainiert. Der Lehrrettungsschwimmer Helge von Appen, der den Verein leitet und als Berufsfeuerwehrmann und Rettungsassistent in Hamburg arbeitet sowie die Rettungsschwimmerin Sarah Wieczorek übten die Handgriffe und Abläufe mit jedem der zukünftigen Rettungsschwimmern immer wieder, bis sie sicher beherrscht wurden. „Wir sind so glücklich und dankbar, dass Justin das gelernt hat und anwenden konnte. Was für ein Glück!“, sagte seine Mutter Daniela. Im nächsten Sommer wird Justin erstmals als Rettungsschwimmer an der Badelagune in Müssen tätig sein. Er gehört auch der neu gegründeten Externen Unterstützungsstaffel von SiWa an, die Sanitäts- und Wasserrettungsdienste bei öffentlichen und privaten Veranstaltungen, Sportwettkämpfen und Firmenevents durchführt.
Bild: Die Eltern Heiko und Daniela Rathge sind stolz auf ihren Sohn Justin (re), der seinem Bruder Tyrone das Leben rettete. Foto: Retzlaff
Bild: Erst diesen Sommer lernte Justin (links) bei seiner Ausbildung als Rettungsschwimmer, die er im Verein SiWa-Sicheres Wasser e.V. mit Helge von Appen (Mitte) absolvierte, die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Foto. SiWa
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.