„Jeder hat das Recht auf Bildung und Meinungsfreiheit“ - Besuch von Amnesty International in der Grund- und Gemeinschaftsschule Schwarzenbek

Inge Noack, Maureen Macoun und Matthias Gohdes mit Lena Richter und Jana Rau am Stand von Amnesty International
Neongelbe Plakate, Spruchbänder und eine schwarze Kerze, mit Stacheldraht umwickelt, weisen auf eine besondere Stunde im Politikunterricht hin, für die die beiden Schülerinnen Lena Richter (16) und Jana Rau (15) sich eingesetzt haben. Die Rechte aus der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO“ von 1948 sind für die Schüler der Klasse 10a mit ihrer Politiklehrerin Renate Günther eine Selbstverständlichkeit, die tagtäglich praktiziert wird.
Aber in über 100 Ländern der Welt ist nicht einmal das Recht auf Leben gesichert, denn die Verfassung sieht noch die Todesstrafe vor, auch wenn sie nicht immer angewendet wird.
Inge Noack, Sprecherin der AI-Gruppe aus Bergedorf/Reinbek, berichtet im Unterricht von den drei gewaltlosen politischen Gefangenen in Turkmenistan, für die sich ihre Gruppe ehrenamtlich einsetzt. Eine von ihnen, die Journalistin Muradowa, ist in der Haft offenbar an den Folgen schwerer Folter gestorben. Die beiden anderen Journalisten Amanklitschew und Chadschijew recherchierten 2006 mit ausländischen Kollegen zu Menschenrechtsverletzungen in Turkmenistan, während sie ständig vom Sicherheitsdienst bedroht wurden. Seither sind die beiden Journalisten in Gefangenschaft, angeklagt wegen Sabotage und Landesverrat. Verurteilt wurden sie nach zwei Stunden Gerichtsverhandlung, ohne dass ihre Verteidiger eine Anklageschrift sahen, wegen illegalem Besitz von Schusswaffen.
In der Klasse herrscht nach diesem Bericht angespanntes Schweigen. Die Schüler sind ratlos, denn wie könnte hier die deutsche AI-Gruppe helfen? Matthias Gohdes, ein weiteres Mitglied von AI, erzählt von den 700 ehrenamtlichen AI-Gruppen in Deutschland, die mit öffentlichem Druck wie Faxen, E-Mails, Protesten und Aufrufen an die betreffenden Regierungen wenigstens für verbesserte Haftbedingungen ohne Folter sorgen wollen. Der Schüler Fabian Kock (15) erkennt, dass die Unterdrückerstaaten merken sollen, dass die politischen Gefangenen nicht länger geheim seien. „Ein Brief ist etwas besonders Handfestes anstatt einer E-Mail“, erläutert Sandro Hammer (17) dazu. Wenn sie waschkörbeweise in der Botschaft des Landes ankommen, wie Maureen Macoun von der AI-Gruppe anschaulich erzählt, werden sie auch wahrgenommen. „Das Land bekommt durch den öffentlichen Druck auch einen schlechten Ruf“, hofft Anna Wolbert (16). Das könnte sich auf den Tourismus und die Entwicklungshilfe auswirken. Doch genau wissen die Menschenrechtler nicht, wie sich ihre Hilfe auswirkt. Aber durch die Arbeit der professionellen Researcher (Ermittler) in der Londoner Zentrale ist bekannt, dass die Briefaktionen den Gefangenen moralische Unterstützung geben, denn viele berichten dies nach ihrer Entlassung.
Die Organisation Amnesty International mit ihren weltweit 2,2 Millionen Mitgliedern arbeitet unabhängig von Regierungen und finanziert sich nur durch Spenden. Viele Ehrenamtler setzen sich so wie die Bergedorfer Gruppe für die Menschenrechte ein: mit Ständen auf Weihnachtsmärkten, in Fußgängerzonen, beim Wutz-Rockfestival oder bei Gottesdiensten.
Denn „es ist besser, ein Lichtlein anzuzünden, als sich über die Dunkelheit zu beklagen“, womit Inge Noack ein bekanntes Sprichwort zitiert. So ist auch die mit Stacheldraht umwickelte Kerze ein Symbol der Hoffnung. Nachdenklich und mit vielen Fragen wird diese besondere Unterrichtsstunde beendet.
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