Die deutsche Meisterin kommt aus Wentorf

  Die deutsche Meisterin kommt aus Wentorf

Am 12./13. August fuhren zwei Athletinnen des SC Wentorf zum Abschluss der Saison zu den deutschen Meisterschaften nach Bremen.

Anike Seelig hat sich auf den norddeutschen Meisterschaften für die 300m Hürden qualifiziert. Sie startete in Bremen im zweiten Vorlauf auf Bahn 7. Sie ging das Rennen mutig an, aber nicht zu schnell, und teilte sich auch das weitere Rennen perfekt ein. Auch die vorletzte Hürde nahm sie noch aus dem Lauf und lag bis dahin an aussichtsreicher Position. Doch dann lief sie zu dicht auf die letzte Hürde, bekam aufgrund schwindender Kräfte das Schwungbein nicht schnell genug hoch und trat in die Hürde. Sie konnte knapp einen Sturz verhindern, doch fehlten ihr dadurch einige Hunderstel zum Einzug ins B-Finale. Trainer Michael Arndt: „Anike kann definitiv stolz sein. Zwei Deutsche Meisterschaften (Block und Einzel) - das ist schon der Hammer, davon träumen andere ihr Leben lang. Und doch ist es ärgerlich. Wir haben so oft die Problematik der letzten Hürde angesprochen, es im Training immer thematisiert. Wie sehr man die Konzentration aufrecht erhalten muss, dass das Rennen erst im Ziel zu Ende ist. Und dann das. Die Welt geht davon nicht unter, diese Erfahrung ist womöglich mehr wert als die Teilnahme im B-Finale, und doch tut es mir natürlich leid für Anike, denn ein Weiterkommen war definitiv möglich. Egal, aufstehen, Krone richten, weitermachen.“

Benita Kappert fuhr unter etwas anderen Vorzeichen nach Bremen. Sie lag in den Disziplinen, in denen sie starten wollte, auf Platz 2 (Weit) und 6 (300m) in den deutschen Bestenlisten - was sie in den Favoritenkreis hob. Ob sie dem Druck standhalten konnte? „Benita ist in den letzten Monaten mental stärker geworden. Als ich vor 1,5 Jahren begann, mit ihr zu arbeiten, ließ sie sich schon durch Kleinigkeiten aus der Bahn werfen. Durch die Thematisierung von Niederlagen, den Einfluss von Wut im Gegensatz zu Trauer und das, was es mit einem macht, ist sie gereift. Mittlerweile ist sie stabiler und eher in der Lage, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren.“ so Trainer Arndt. Sie startete mit positiver Anspannung in ihren Vorlauf über 300m. Regen, Wind, auf der Zielgeraden von vorne - sehr widrige Verhältnisse. Sie ging die ersten 100m viel zu langsam an, war zur Kurve fast aussichtslos zurück, konnte jedoch mit einem fulminanten Kurvenlauf und einer harten Schlussgeraden das Rennen noch als zweite beenden. In 40,74s stellte sie auch noch eine persönliche Bestleistung auf. Am Ende qualifizierte sie sich mit der zweitschnellsten Zeit aller Teilnehmerinnen für das Finale am nächsten Tag.

Doch vorher stand noch der Weitsprung an. Und es sollte in Krimi werden. Die Top 3 der Meldeliste waren Anika Nießen (TS Halstenbek, 5,84m), Saskia Lindner (LG Eintracht Frankfurt, 5,88m) und Benita (5,86m). Vor den Mädchen sind schon die Jungen gesprungen, und die relativ kurzen Weiten ließen erahnen, dass die Anlage heute nicht für Bestleistungen taugen würde.

Benita begann mit einem Sprung auf 5,38m. Solide, aber eigentlich mehr als An- und Ablaufkontrolle einzuordnen. Der nächste Sprung ging dann auf 5,55m und bedeutete die Führung, die nach dem ersten Sprung noch bei Anika lag (5,44m). Trainer Michael Arndt: „Das war schon gut, was sie da machte, aber vor dem Brett war sie zu zaghaft. Schneller zum Brett war die Ansage für den nächsten Sprung. Aber Benita hatte auch noch einen Wunsch: ‚Könnt ihr anklatschen?‘ - Logisch, und wie!“ Sie setzte die von ihr geforderte Korrektur hervorragend um, übertrat aber leicht - ungültig. Anika wurde im dritten von Mikaelle Assani gekontert, die jetzt mit 5,49m auf Platz zwei lag. Im vierten Versuch sprang dann Mara Barwitzki mit 5,57 auf Platz 1 - wurde aber im gleichen Durchgang von Benita mit 5,60m gekontert. Zwischenstand: Benita, Mara, Mikaelle, Anika. Anika wollte nicht schon wieder mit Platz 4 nach Hause (Block Sprint/Sprung dieses Jahr), konnte sich in Versuch 4 und 5 aber nicht mehr verbessern. Der letzte Durchgang begann. Mikaelle konnte sich mit 5,47m nicht mehr steigern, doch Anika bewies Herz und ballerte unter frenetischem Jubel des Schleswig-Holsteinischen Fanblocks 5,61m in die Grube. Sie übernahm somit die Führung, und nur Benita hatte noch die Möglichkeit, zu kontern. Als sie anlief herrschte eine ungeheure Spannung. Mittlerweile war die komplette Tribüne im Bann dieses Wettkampfs, und unter lautem Anfeuern konnte sie ihren letzten Sprung setzen. Gültig und gut. Aber wie weit? Die Sekunden zogen sich wie Kaugummi - dann das Ergebnis: 5,65m. Gold! Ein sagenhafter Wettkampf, zwei ganz fantastische Mädchen aus Schleswig-Holstein auf den Plätzen 1 und 2, und ein vorbildliches Wettkampfverhalten von Benita. Trainer Michael Arndt: „Nach dem Wettkampf lagen sich Wentorfer und Halstenbeker in den Armen. Natürlich sind wir im Wettkampf Konkurrenten, aber es sind hier Freundschaften gewachsen, die in jeder Situation bestehen. Und auch wenn es nur einen Sieger geben kann, wird ausnahmslos gegönnt und anerkannt. Und abends wird zusammen gegessen, gefeiert und sich gefreut. Das macht einfach Spaß.“

Am Sonntag stand das Finale über 300m auf dem Plan. Benita hatte schwere Beine, der Muskelkater kam zu Besuch, sie fühlte sich langsam. Leider gestaltete sie so auch das Rennen. die Finalistinnen stürmten los wie besessen, nur nicht Benita. Zur Kurve lag sie in der Mitte des Feldes, nach der Kurve eher hinten, doch auf der Zielgeraden kämpfte sie fast die komplette Konkurrenz nieder und kam in exakt ihrer Vorlaufzeit (40,74s) ins Ziel.

Somit konnte sie ihre Goldmedaille vom Vortag mit dem 2. Platz über 300m versilbern.

Die Ergebnisse zum Nachlesen gibt es auf http://www.leichtathletik.de
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